Buchbesprechungen

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Auf unsere Gesundheit Von Robert C. Geursen. 1. Aufl. geursen consulting, Edingen-Neckarhausen (2013). ISBN 987-1-291-31294. 440 S., Brosch. Preis: € 19,99.

Der Autor hat in diesem interessanten und kritischen Buch 60 Beiträge zusammengefasst, die er von Anfang 2007 bis Ende 2011 in der Rubrik „Streiflichter“ der Zeitschrift „pharmind – die pharmazeutische industrie“ verfasst hat. Dabei werden viele Fragestellungen „rund um die Gesundheit“ unterhaltsam und abwechslungsreich vermittelt und unerwartete Zusammenhänge – ergänzt durch überraschende Zitate – dargestellt.

Dabei greift der Autor sehr unterschiedliche Themen auf, wie z. B.: Sichere Arzneimittel für Kinder · Pharmastandort Deutschland – Anspruch und Wirklichkeit · Seltene Erkrankungen – Millionen Patienten · Medikamente und Mehrwertsteuer · Fremde Organe · Klassenmedizin · Kranke Häuser · Klinische Prüfungen · Über die Kunst der Abschätzung von Kosten und Nutzen.

Allein diese Aufzählung zeigt, wie aktuell die Fragestellungen der jeweiligen Beiträge nach wie vor sind. Aber auch die Entwicklung der Anforderungen an Arzneimittel, insbesondere im Erstattungsbereich, kann in den verschiedenen Beiträgen sehr gut nachverfolgt werden. Wie vom Autor dargestellt, hat Deutschland seine einst führende Position im Pharmageschehen verloren. Andere Standorte haben eine erfolgreiche Aufholjagd gestartet. Dabei wurden sie durch die jeweiligen Regierungen unterstützt. In Deutschland sind dagegen allein seit 1989 fast im Jahrestakt zahlreiche Novellen des einschlägigen Sozialgesetzbuches als „voluminöse Gesetzeswerke über die Arzneimittelhersteller gekommen“ – im Sinne „nach der Reform ist vor der Reform“. Diese Änderungen betrafen den Erstattungsbereich und liefen zusätzlich zu den Novellen des Arzneimittelrechts.

Nachdenklich stimmt auch die These, dass die Menschen immer stärker aus ihrer persönlichen Verantwortung entlassen werden, was letztlich zu Lasten der Freiheit des Einzelnen und der Gesellschaft führt. Hier zitiert der Autor den amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln: „Ihr werdet die Schwachen nicht stärken, indem Ihr die Starken schwächt. Ihr werdet denen, die ihren Lebensunterhalt verdienen müssen, nicht helfen, indem Ihr die ruiniert, die sie bezahlen. … Ihr könnt Menschen nie auf Dauer helfen, wenn Ihr für sie tut, was sie selber für sich tun könnten.“

Beispielhaft ist weiterhin auf das Kapitel zu den Arzneimitteln für seltene Erkrankungen hinzuweisen. Hier stellt der Autor zusammenfassend die zu Grunde liegende Idee und die Anforderungen an die Verbesserung der Entwicklung dieser Arzneimittel auf europäischer Ebene dar. An Beispielen wird deutlich gemacht, zu welchen eindrucksvollen Ergebnissen die europäische Verordnung zu „Orphan Drugs“ geführt hat und dass eine „zielgerichtete Politik der Verbesserung der Marktbedingungen deutlich mehr erreicht als interventionistischer Dirigismus“. Gegenwärtig kann in der politischen Diskussion beobachtet werden, wie die Krankenkassen unter dem Schlagwort „Orphanisierung“ versuchen, den Firmen, die in diesem Bereich tätig sind und Arzneimittel für Patienten mit seltenen Erkrankungen erforschen, neue Hürden hinsichtlich der frühen Nutzenbewertung aufzubauen.

Auch hinsichtlich der „Kunst der Abschätzung von Kosten und Nutzen“ hat der Autor auf eine interessante Untersuchung hingewiesen: Nach einer im „Journal of the National Cancer Institute“ im Jahre 2007 veröffentlichten Studie werden die Zeitkosten einer Tumortherapie für die Patienten vergleichend erhoben. Die Kommentatoren der Studie folgern, dass, wollte man die Zeitkosten bei der Therapieauswahl stärker berücksichtigen, beispielsweise ambulante gegenüber stationären Behandlungen, orale gegenüber intravenösen Chemotherapien zu bevorzugen sind.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Autor in diesem Buch bedenkenswerte Zusammenhänge anregend aufzeigt, aber auch die Zwänge deutlich macht, in denen ein System steckt, „bei dem diejenigen, welche die Entscheidungen treffen, nicht identisch mit jenen sind, die Produkte und Leistungen beziehen, und auch nicht mit jenen, die die Leistungen finanzieren.“

Prof. Dr. Barbara Sickmüller, Offenbach
pharmind 2013, Nr. 7, Seite 1180